Das Fahrzeug

199

Tage

am 15. Juni 2019

Etwas über 6 Monate sind wir nun unterwegs, ziemlich genau 10 Monate leben wir mittlerweile im LKW. Zeit für uns, eine Zwischenbilanz zu ziehen. Was hat sich bewährt, was nicht, wie geht es uns?

Weil diese Zwischenbilanz recht ausführlich ausfallen würde, werden wir eine kleine Artikelserie dazu veröffentlichen. Aufgeteilt in die Themen Fahrzeug, Alltag, Reisen mit Kind und Reisen mit Hund.

Im Erg Chebbi

Bei einem selbst gebauten Fahrzeug stellt sich wohl jedem irgendwann die Frage, ob alles so funktioniert wie es soll und vor allem: hält auch alles? Auch wir hatten mehr als einmal die Befürchtung, dass wir irgendwelche Anbauteile verlieren könnten, oder sich der ganze Möbelbau zerlegt. Schliesslich sind wir keine Profis und haben alles nur nach unseren eigenen Einschätzungen, Möglichkeiten und nach bestem Wissen bauen können. Besonders hervorzuheben sind dabei Dinge wie der Dachgepäckträger, der Fahrradträger (dem hab ich am wenigsten zugetraut), die Befestigung unseres Kühlschranks und noch ein- zwei andere Kleinigkeiten. Eines kann ich schon Vorweg nehmen: eine unserer Aussenstaukisten war bisher das einzige, was sich tatsächlich losgerüttelt hat. 

“Eigentlich wird es mal wieder Zeit für einen Reifenschaden”

Technische Defekte gab es natürlich auch, doch hielten sich diese bisher in Grenzen. Eine Auflistung:

  • 3 Reifenschäden (immer die Schläuche)
  • undichte Vorförderpumpe und Dieselleitungen
  • defekte Kipphydraulik Fahrerhaus
  • 1 Staukiste verloren
  • 1 Rückholfeder am Gaszug gebrochen
  • Alle Fenster am Aufbau müssen neu eingedichtet werden
  • 1 Blech an der Verlängerung hat sich gelöst

Für ein Fahrzeug, welches 28 Jahre alt ist, eigentlich ganz okay. Vieles betrifft auch den Aufbau, da dies aber unser Erster ist, finden wir das bisher auch alles noch sehr okay.

 

In Reih´ und Glied. Mauretanien.

Der DAF Leyland verhält sich ansonsten tadellos und wir würden bisher nicht gegen ein anderes Fahrzeug tauschen wollen. Sowohl auf der Strasse als auch im Gelände sind wir sehr zufrieden mit dem Laster! Was uns besonders aufgefallen ist: Die Größe des Fahrzeugs ist für uns genau richtig. Wir sind mit etwas über 3,50m nicht allzu hoch, mit etwas über 7,50m Länge nicht zu lang und der Radstand von etwas weniger als 4m sorgt dafür, dass das Auto noch einigermaßen wendig bleibt. Und trotzdem haben wir über 5m Aufbaulänge; zählt man das 1,5er Fahrerhaus noch dazu ist es sogar noch etwas mehr. Gerade mit Kind ein nicht zu unterschätzender Vorteil!

Was zum LKW selber sonst noch erwähnenswert ist:

  • Die Motorleistung ist mit ca 180PS ausreichend, auch im Gelände
  • Motor & Getriebe harmonieren gut, am Berg wäre ein Splitgetriebe trotzdem toll
  • Ein sechster Gang oder eine längere Endübersetzung wären wünschenswert, aber kein Muss
  • Die Bedienung funktioniert für das Alter recht komfortabel. Die Gänge schalten sich leicht, die Umschaltung in die Untersetzung auch, wenn man weiß wie
  • Die Reifengröße sieht zwar schmal aus, funktioniert aber auch im Sand hervorragend
  • Die Lautstärke ist auch bei 80km/h und auf Langstrecke okay, leiser wäre natürlich immer besser
  • Die Kabinenlagerung (Federlagerung) funktioniert gut
  • Die Originalsitze sind schick und sehr bequem, (Luft-)gefederte Sitze wären trotzdem manchmal toll
  • Die Fahrerkabine ist leider sehr niedrig, 20cm mehr wären super
  • 400L Dieselkapazität sind völlig ausreichend
  • Es gibt keine zusätzliche Motorbremse (Stauklappenbremse), dadurch sind die Trommelbremsen bei langen Bergabfahrten schnell an ihrer Grenze
  • Der Durchgang ist bei uns unverzichtbar. Die Abdichtung mittels Bürsten hat sich sehr bewährt

Auch mit dem Aufbau sind wir bisher sehr zufrieden. Die Ausbauqualität genügt unseren Ansprüchen, dass wir zwischendurch schon ein wenig renovieren mussten, lag hauptsächlich an meiner Ungeduld beim Ausbau. Da habe ich nämlich nicht besonders viel wert auf die Oberflächenbehandlung der Möbel gelegt. Deshalb haben wir, wieder zurück in Spanien, noch einmal zu Pinsel, Farbe und Schleifpapier gegriffen und den Innenraum etwas aufgehübscht. 

Technisch gesehen hat sich fast alles bewährt, Kleinigkeiten kann man immer ändern. Und manche Dinge ändern sich zusammen mit den eigenen Bedürfnissen und wollen dann angepasst werde. Ein Beispiel ist hier die Sitzgruppe: wir verbringen doch mehr Zeit als gedacht IM Fahrzeug, deshalb hätten wir gerne eine größere Sitzgruppe/Sofa. Dies wird vielleicht in Deutschland geändert, vielleicht auch nicht.

Als größten Makel und trotzdem auch Vorteil sehen wir die geringe Kabinenbreite. Würden wir einen neuen Ausbau machen, würden wir zu einer 2,50m breiten Kabine greifen, das hat sich mehrfach beim Besichtigen anderer Fahrzeuge gezeigt. Der Platzgewinn durch diese ca. 20-25cm im Innenraum ist enorm!

Weitere Punkte wieder als Liste:

  • Das Aufstelldach ist super, wird aber noch zu wenig genutzt. Das wird sich aber wohl ändern, je älter Romy wird
  • Seitzfenster sind zwar günstig, taugen aber in Details nichts 
  • 1,60m Bettbreite sind genial
  • 300L Frischwasser sind sehr gut
  • effektiv 40L Abwasser sind auch ausreichend
  • Die Trenntoilette ist traumhaft. Der Urintank mit 20L ausreichend groß für etwa 5-7 Tage
  • Das Badezimmer gefällt uns optisch nicht, muss dringend renoviert werden. Grund: es musste schnell gehen zum Schluss
  • Unsere 12V USB Steckdosen an der Sitzgruppe sind grundsätzlich gut angebracht, dadurch dass der Hund dort liegt aber auch wieder nicht
  • Das Drehtischgestell ist sehr gut, die Verarbeitungsqualität für den Preis leider nicht
  • Die Southco Kompressionsverschlüsse halten sehr sehr gut
  • Viele ungenutzte Ecken und Bereiche können mit Gummiseilen sehr effektiv nutzbar gemacht werden
  • Die Schraubgläser in der Küche halten sehr gut
  • Der Dieselherd ist gut, die Verarbeitung desselben nicht
  • Die Heizung ist zu groß (max 8KW), funktioniert aber gut. Mittlerweile würden wir auch auf Planar setzen
  • Die Lithium-Batterien sind ein Traum. Die Kapazität von 180AH reicht uns bei völliger Abwesenheit von Sonne und mit Heizung an für etwa 3 Tage. Während dieser Zeit wird der Dieselherd aber auch viermal täglich gestartet
  • Die John-Guest Verbinder der Wasserleitungen würden wir immer wieder wählen. Keine Leckagen, keine gerissenen Schläuche. Ein Umschalter ist trotzdem kaputtgegangen
  • Die Wasserfilteranlage von Famous-Water hat sich sehr bewährt. Besonders die Pumpe zum Befüllen der Tanks wird ständig gebraucht. Nur Details müssen verbessert werden
  • Die Aufteilung und der großzügige Platz im Mittelgang ist sehr gut. So können Hund und Mensch jederzeit gut aneinander vorbei
  • Die Führung der Abwasserleitung muss in Details verbessert werden (aussen)
  • Alle Staukisten (bis auf eine), auch die beiden selbst gebauten, haben sich sehr bewährt und halten auch schlimmste Pisten durch
  • Der Fahrradträger hält noch, muss aber neu befestigt werden. Das System zum herunterkubeln ist super. Das befestigen der spanischen Warntafel nervt
  •  Die Verlängerung der Kabine war goldrichtig, die Verkleidung der Verlängerung muss nachgearbeitet werden
  • Die Befestigung mittels Containerlocks ist schnell und einfach zu bauen und zu bedienen, klappert aber manchmal recht laut

 

Stauseen sind immer toll.

Ihr seht, es sind natürlich hier und da Details zu verändern und anzupassen, doch das ist nur natürlich. Was uns ab und an zu schaffen macht, ist die Verarbeitungsqualität. Und zwar interessanterweise nicht unsere eigene, denn da wissen wir, was wir verbrochen haben. Nein, die Qualität der verbauten Teile lässt leider manchmal sehr zu wünschen übrig oder hat sich als nicht ausreichend zum dauerhaften benutzen und “im Fahrzeug leben” herausgestellt.

Generell sollte man immer darauf achten, möglichst hochwertige Komponenten zu verbauen und nicht auf Campingzubehör zurückzugreifen, als Beispiel seien hier die Wasserhähne genannt. Hier waren wir froh, einen aus dem Haushaltsbedarf verbaut zu haben, denn so konnten wir ihn zerlegen und reinigen, als dieser einmal vom Kalk verunreinigt war.

Solltet ihr noch Fragen zu dieser Übersicht haben, schreibt uns gerne in die Kommentare oder per eMail. Bis bald im nächsten Teil der Serie, dann mit dem Teil “Alltag”!

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